Schlaganfall

Ein Schlaganfall ist gerade im Alter ein leider häufiges und oft sehr folgenreiches Ereignis. Mehr als 70 % der Schlaganfallpatienten sind älter als 70 Jahre. Zahlreiche verschiedene Symptome und Beeinträchtigungen können auftreten – je nach Ausmaß und Ort der Hirnschädigung. Die Folgen eines Schlaganfalls sind daher sehr unterschiedlich (Lähmungen, Gleichgewichtsstörungen, Wahrnehmungsstörungen, Sehbeeinträchtigung, Schluckstörung, Sprachstörung, Verwirrtheit, usw.); inwieweit sich diese Schlaganfallfolgen wieder zurückbilden, ist individuell ebenfalls sehr unterschiedlich: das Spektrum reicht von völliger Wiederherstellung bis zu dauernder ausgeprägter Pflegebedürftigkeit.

Gerade bei älteren Menschen ist häufig der Schlaganfall mit seinen Folgen nicht das einzige Problem. Andere Erkrankungen mit den dadurch bedingten Einschränkungen verkomplizieren die Situation und sind oft für den weiteren Verlauf bestimmend.

Geriatrische Rehabilitation nach Schlaganfall

Ein rein neurologisch orientierter Rehabilitationsansatz greift daher häufig zu kurz. Gerade die Geriatrie schaut daher nicht nur auf den Schlaganfall als aktuelle Hauptdiagnose, sondern orientiert sich auch an den Aus- und Wechselwirkungen der multipel vorliegenden Begleiterkrankungen, die den Patienten in seiner Fähigkeit zur Selbstversorgung und zur selbstständigen Alltagsbewältigung bedrohen oder einschränken. Geriatrische Rehabilitation versucht, durch Gewichtung und wertende Zusammenschau verschiedener Aspekte eine fachspezifische Aufsplitterung zu vermeiden und den Patient mit seinen Problemen als ein „Ganzes“ zu sehen. Auch die Prävention eines weiteren Schlaganfalls durch Erkennen und Behandlung der individuellen Risikofaktoren ist Teil der rehabilitativen geriatrischen Medizin.

Die Wiederherstellung verlorener Funktionen ist dabei oberstes Ziel der Rehabilitation. Eine weitere rehabilitative Strategie ist die Kompensation verlorener Strukturen und Funktionen durch andere erhaltene Fähigkeiten. Hierbei gilt es zu vermeiden, dass durch eine zu frühe „Umgehungsstrategie“ die primär geschädigten Strukturen stillgelegt und durch Nicht-Gebrauch Verluste verfestigt werden, die bei gezielter Förderung hätten wiederhergestellt werden können. Unter Umständen müssen auch Hilfsmittel eingesetzt werden, um verlorene Funktionen zu ersetzen. Diese Hilfsmittelplanung wird vom therapeutischen Team zusammen mit dem Patienten und den Angehörigen durchgeführt und in die Wege geleitet.

Auch die Frage der Weiterversorgung nach der Rehabilitation wird zusammen mit Patient und Angehörigen vom therapeutischen Team frühzeitig besprochen und notwendige Planungen veranlasst.

Besondere Vorteile geriatrischer Rehabilitation

Der geriatrische Ansatz versucht, häufige Probleme der heutigen Medizin zu vermeiden:



Besonderes Augenmerk liegt dabei auf einer wohnortnahen geriatrischen Versorgung:
Gerade für ältere Patienten ist es wichtig, dass

  1. der Kontakt zur Familie erhalten bleibt,
  2. Angehörige in Behandlung und Pflege miteinbezogen werden können und Anleitung für zu Hause erhalten,
  3. Probeurlaube durchgeführt werden können bzw. die Rehabilitation auch teilstationär in Form einer tagesklinischen Behandlung fortgesetzt werden kann,
  4. eine Wohnraumanpassung z. B. nach einem Hausbesuch erfolgt,
  5. Angehörige und zukünftige Pflegepersonen mit dem Gebrauch nötiger Hilfsmittel vertraut gemacht werden
  6. in Vorbereitung der Entlassung ein individuelles, soziales Netz geknüpft wird unter Kenntnis der lokalen Möglichkeiten.

Ergebnisse der geriatrischen Rehabilitation

Das Ergebnis der Rehabilitation ist für alle Beteiligten von entscheidender Bedeutung. In diesem Zusammenhang ist die Formulierung von realistischen Rehabilitationszielen am Anfang der Rehabilitation von großer Wichtigkeit. Einen wichtigen Beitrag zur Beurteilung der Effizienz der Schlaganfallrehabilitation in der Geriatrie lieferte eine von 1998 bis 2001 in Rheinland-Pfalz durchgeführte Evaluationsstudie, bei der aus dem Datenpool des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK Rheinland-Pfalz) die Rehabilitationsergebnisse von rund 2400 Patienten aus vier neurologischen und drei geriatrischen Einrichtungen im Land Rheinland-Pfalz verglichen wurden. Die Geriatrische Rehabilitationsklinik in Trier hat als größte geriatrische Klinik an dieser Studie teilgenommen: Obwohl die Patienten in den geriatrischen Einrichtungen im Schnitt sechs Jahre älter und in ihrer funktionalen Selbstständigkeit stärker eingeschränkt waren als die in den neurologischen Einrichtungen, wurden gleiche, tendenziell sogar für die Geriatrie bessere Ergebnisse in den „Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL18)“ erzielt (Zuwachs durch die Rehabilitation in der Neurologie 11 Punkte; Zuwachs in der Geriatrie 14 Punkte). Die besseren Funktionsfortschritte in der Geriatrie wurden sogar bei einer um drei Tage kürzeren Rehabilitationsdauer erreicht, was für eine besondere Effizienz der Schlaganfallrehabilitation in geriatrischen Einrichtungen spricht. Gerade Schlaganfallpatienten profitieren also offensichtlich von den Besonderheiten eines fächerübergreifenden geriatrischen Therapieansatzes im Rahmen der Rehabilitation besonders.